Beschreibung

Gerade im Hinblick auf die innere deutsche Einheit, die wegen der fortgesetzten Pflege von Mentalitäten aus der Zeit des Kalten Krieges nicht so recht vorankommt, scheint das Bemühen um eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, wie sie wirklich verlaufen ist, sinnvoll.
Spricht man von „Mauerbau“ und „Maueröffnung“, so begegnen einem in Ost und West unterschiedliche Emotionen bzw. Wertungen. Noch ist der Blick auf die Geschichte bei Weitem nicht von Sachlichkeit, Augenmaß und Differenzierungsvermögen geprägt.
Die Geschichte der Berliner Mauer ist identisch mit einer bestimmten Periode des Ost-West-Konflikts. Es ist dies die Zeit, da die Verlängerung des „Eisernen Vorhangs“ entlang der Währungsgrenze mitten durch Berlin erfolgte, um das Umschlagen des Kalten Krieges in einen heißen zu vermeiden. An dem Vorgang hatten beide Seiten ihren Anteil.
Im Kalten Krieg hingegen machte jede Seite die jeweils andere Seite allein für alles Ungemach verantwortlich. Heute ist es üblich geworden, in nicht zu übertreffender Einseitigkeit und unhistorisch allein die DDR für die Mauer verantwortlich zu machen.
In der Zeit der Existenz der Mauer entstanden auf beiden Seiten Geschichtsmythen, die in unterschiedlichem Maße auch heute eine Rolle spielen. In der DDR wurde vom „antifaschistischen Schutzwall“ gesprochen und im Westen von der „innerdeutschen Grenze“. Beide Bilder waren unzutreffend, denn weder schützte die Mauer vor dem Faschismus, noch war die Grenze zwischen Westberlin und der DDR „innerdeutsch“ wie die Grenze zwischen Sachsen und Thüringen oder Bayern und Baden-Württemberg.
Falsch ist auch die häufig zu vernehmende Behauptung, dass die Mauer Berlin gespalten habe. Sie entstand 1961, da war die Stadt bekanntlich schon über ein Jahrzehnt gespalten.