Aus dem Vorwort:
Der Spartanerkönig Pausanias stand im September 479 v. Chr. einem riesigen persischen Heer gegenĂŒber. Unweit des StĂ€dtchens Plataiai hatten die verbĂŒndeten Griechen Position bezogen. Sollte man nun das befestigte Perser-Lager ĂŒber den FluĂ Airopos angreifen? Oder einen Flankenmarsch unternehmen, oder abwarten, oder sich zurĂŒckziehen? Die traditionell streitlustigen Hellenen gaben Pausanias immer neue und kontroversere RatschlĂ€ge. SchlieĂlich beendete der Kommandeur das Debattieren mit dem ironischen StoĂseufzer: âWie zahlreiche Feldherren habe ich doch und wie wenige Soldaten!â
Dieses Wort des Pausanias (der ĂŒbrigens die Schlacht bei Plataiai glĂ€nzend gewann) illustriert das Dilemma im Dasein groĂer Feldherren: Viele sind berufen, aber nur wenige auserwĂ€hlt. Manchmal werden gerade jene auserwĂ€hlt, von denen es ihre Zeitgenossen am wenigsten erwarteten. Von ihnen soll hier die Rede sein. Niemand am byzantinischen Hof nahm den schmalbrĂŒstigen Eunuchen Narses sonderlich ernst, bis er die Ostgoten vernichtete. Wellington galt anfangs als unerfahrener Salongeneral, König Karl XII. von Schweden als gröĂenwahnsinniges BĂŒrschlein.
Selbst Moltke, der bis zu seinem 66. Lebensjahr an keinem gröĂeren Gefecht teilnahm, hielt man fĂŒr einen Schreibstubengelehrten, der wenig Ahnung von militĂ€rischer Praxis hatte. Und was soll man ĂŒber Oliver Cromwell sagen, den schlichten, frommen Landedelmann, der vor dem Ausbruch des englischen BĂŒrgerkrieges keinerlei Kampferfahrung besaĂ?
Heute zollt die Nachwelt diesen MĂ€nnern Respekt als bedeutende HeerfĂŒhrer. Sicher hat dabei auch ein schwer faĂbares Faszinosum mitgewirkt, das man als âFortuneâ oder GlĂŒck des TĂŒchtigen bezeichnen kann. Wie wankelmĂŒtig dieses GlĂŒck hĂ€ufig ist, wuĂte schon Friedrich der GroĂe:
âVon Schicksalslaunen hĂ€ngt man ab im Kriege.
Wie ernsthaft man um den Erfolg sich mĂŒht,
Nur jener siegt, dem auch der Schlachtengott gewogen.â
Um dieses GlĂŒck zu erzwingen, sollte ein erfolgreicher Feldherr, so der PreuĂenkönig in seinen âGeneralprinzipien des Kriegesâ, auch ĂŒber schauspielerische Talente verfĂŒgen. âDenn die Kunst, seine Gedanken zu verhĂŒllen oder sich zu verstellen, ist fĂŒr den Leiter groĂer Unternehmungen unentbehrlich … Deshalb muĂ der HeerfĂŒhrer gleich einem Schauspieler jenes Gesicht zeigen, welches ihm seine Rolle vorschreibt … Beim Eintreffen einer schlimmen Nachricht zeige er sich ungerĂŒhrt, prahle mit der Zahl und GröĂe seiner Hilfsmittel. Ăffentlich verachtet er den Feind, im geheimen zollt er ihm Hochachtung.â
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
Julius Caesar â Er kam, er sah, er siegte â
Narses â Ein Eunuch vernichtet die Ostgoten â
Juan dâAustria â Triumphator des Mittelmeeres â
Oliver Cromwell â Eiserne Disziplin â
Karl XII. â Tragödie eines Heldenkönigs â
Alexander Suworow â Feldherr ohne Niederlage â
Wellington â Napoleons ebenbĂŒrtiger Rivale â
Helmuth von Moltke â Esprit der Schlachten â
Reinhard Scheerâ Sieger ĂŒber Britanniens Seemacht â
George S. Patton â Kriegsgott im Panzer â
Literaturauswahl
Namensregister









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